Donald Trump und dein Facebook-Profil: Nach grossen historischen Sprungen befinden wir uns plotzlich in der nahen Vergangenheit und schon beinahe in der Gegenwart. Nachdem wir geklart haben, dass Identitat schon lange nicht mehr als etwas Identisches, sondern viel mehr als etwas Zersplittertes angesehen wird, geht die Spurensuche nach diesem ungreifbaren Konstrukt weiter. Wagen wir uns also in die unendlichen Weiten des Netzes und suchen dort nach den (digitalen) Fetzen der Identitat.

Gerade in Bezug auf die Dezentralitat bietet das Internet vielfaltige Moglichkeiten zur Zersplitterung. Nicht nur zwischen den verschiedenen Online-Identitaten, sondern auch zwischen der Online- und Offline-Identitat. Doch eins nach dem anderen.

Das Spiegelstadium

Zum besseren Verstandnis sei hier eine (zugegebenermassen stark vereinfachte) Annahme aus der Psychologie erlautert. Der franzosische Psychoanalytiker Jacques Lacan entwickelte in der Mitte des 20. Jahrhunderts einen Erklarungsansatz zur Entstehung des menschlichen Bewusstseins, den er das Spiegelstadium nannte.

Dabei ging er davon aus, dass Kleinkinder, die sich zum ersten Mal im Spiegel sehen, ein Bewusstsein fur ihre Existenz entwickeln. Sie erkennen sich im Spiegel selbst und identifizieren sich damit - das Selbstbild entsteht. Wahrenddessen entsteht nach Lacan eine Spaltung: Das (innere) Ich trennt sich vom ,,Nicht-Ich", also dem Bild, das es von sich selbst hat. Dabei ,,rutscht" das Bild, das das Kind von sich entwickelt, nach aussen und befindet sich im Bereich des Imaginaren. Nach Lacan empfindet das Kleinkind bei dieser ersten Identifikation mit sich selbst grosse Freude und bildet das Grundgerust dessen, was sich spater (Selbst-)Bewusstsein nennt.

Das Internet als Spiegel

Nimmt man diese Annahme des Spiegelstadiums mit all seiner Umstrittenheit und (notwendigen) Vereinfachung als Grundlage, lasst sie sich in den Tiefen des World Wide Webs in allen erdenklichen Variationen wiederfinden. Denn: Die Profile, die wir dort erstellen, dienen nicht nur als Spiegel. Dieser Spiegel ist daruber hinaus (fast) nach Belieben formbar und aktualisierbar - man kann ihn nach Wunschen umstellen, ganz egal, wie sehr er mit der gelebten Wirklichkeit zusammenhangt.

Duckface: Ganz wichtig furs Selbstbild

Erinnern wir uns an die sozialen Rollen aus Teil 1: Je nach Kontext verhalten wir uns unterschiedlich. Ob im Umkreis der Familie, bei Freunden oder auf Arbeit - in jedem Umfeld spielen wir eine andere Rolle.

Genauso verhalt es sich letztlich im Netz. Der Grossteil der Menschen verwendet wohl nach wie vor Facebook, um seinen grosszugig umrissenen Freundeskreis ungefragt uber seine Meinung, Urlaubsfotos oder die neueste Trennung zu informieren. Fur schnelle Nachrichten verwendet man Snapchat, WhatsApp oder Telegram, fur den visuellen ,,Anspruch" sorgt man auf Instagram. Will man seinen ICO effektiv pushen, prasentiert man sich moglichst serios auf LinkedIn, wahrend man auf Tinder nach der Liebe seines Lebens sucht.

Dabei gestaltet man sein jeweiliges Profil dem entsprechenden Kontext so angemessen wie moglich - ohne dabei (zwingend) darauf zu achten, ob alles echt ist. Man gestaltet sein digitales Selbstbild. Ganz nach Belieben.

Das Ich im Netz

Zuruck zu Lacan: Das Internet dient in all den gegebenen Beispielen als Vermittler fur den digitalen Spiegel. Mit den jeweiligen Apps und/oder sozialen Netzwerken baut man sich ein Abbild, das mehr oder weniger mit der Person vor dem Spiegel ubereinstimmt.

Spinnt man das Ganze mit den vorliegenden Annahmen weiter, kann das auch gefahrlich werden. Kommt es namlich zu einem allzu hohen Ungleichgewicht zwischen imaginarem Selbstbild und der Person vor dem Spiegel, kann es zu psychischen Dispositionen kommen - doch das fuhrt an dieser Stelle zu weit.

Eins steht fest: Das Reich des Digitalen dient all denen, die es nutzen, auf die eine oder andere Weise als Spiegel. Auf sozialen Medien, durch Apps und allen voran mit den mobilen Endgeraten konnen wir vielfaltige Bilder unserer Selbst entwerfen, denen wir bisweilen hinterherrennen.

Der goldene digitale Fussabdruck - Von Daten und Konzernen

Der Tag beginnt. Verschlafen erfolgt der ins motorische Gedachtnis ubergegangene Griff zum Smartphone. Wecker aus und swipen. Unzahlige Benachrichtigungen, viele Neuigkeiten, wenig Inhalte. Doch das stort wohl die wenigsten von uns. Oder besser: Wir ignorieren es gekonnt. Und wischen weiter. Schnell den News-Feed checken, den aktuellen Bitcoin-Kurs uberprufen und dann langsam daruber nachdenken, aufzustehen. (Oder wahlweise vollig ubersturzt zum Bus/Auto/Fahrrad rennen).

Bei den meisten beginnt und endet der Tag mit dem Konsum von Medien. Selbst wenn der Akku leer oder das Datenvolumen aufgebraucht ist, leuchtet das Display mit den ,,allerwichtigsten" Nachrichten in der U-Bahn oder tont das Radio im Auto. Kurzum: offline-sein ist nicht. Ob das gut oder schlecht ist, darum soll es hier nicht gehen. (Das wurde auch samtliche Rahmen sprengen). Stattdessen soll es um die Spur gehen, die wir dabei hinterlassen.

Digitale Identitat - Eine Spur aus Daten

Denn mit jeder Bewegung, jedem Status-Update, jedem neuen Profilbild verlangern wir die Datenspur, die wir produzieren. Mehr noch: Die meisten Apps auf unseren schlauen Telefonen wollen so viele Berechtigungen, dass sie wohl die wenigsten von uns lesen, uberdenken und schliesslich akzeptieren. Diese Spur enthalt nicht nur wichtige (Meta-)Daten uber unsere Vorlieben, Geschmacker, Aussehen und Liebesleben. Mehr noch: Sie dokumentiert unsere Bewegungen - und kann sie sogar prazise voraussagen. Schliesslich sind wir Gewohnheitstiere, die ungern aus ihrer Routine gerissen werden.

Da darf es eigentlich kaum verwundern, dass all die Dienste, die wir nutzen, ,,kostenlos" sind. Facebook, Instagram, Google und all die anderen Verdachtigen verlangen - vermeintlich - nichts fur ihre Dienste. Dass die Daten, die wir wahrend der Nutzung produzieren, jedoch weitestgehend verwertet werden, fallt dabei oft unter den (digitalen) Tisch.

Die Datengeier: Donald Trump und dein Facebook-Profil

Hatte es ohne Datenspuren vermutlich nicht zum Prasident geschafft: Donald Trump

Wie weit das gehen kann, zeigte jungst der ,,Skandal" um Cambridge Analytica. Mit gezielten ,,Personlichkeitstests" erstellten die Datenanalysten Personlichkeitsprofile, die das Unternehmen spater dazu verwendete, Wahlmanipulation (unter anderem) in den USA zu betreiben. Durch Mikrotargeting platzierten sie Informationen so, dass sie die Menschen mit Negativinformationen versorgten. Das Ergebnis: Donald Trump. (Mehr dazu hier, wir berichteten).

Das war letztlich nur moglich, weil sie mehr oder weniger ungehinderten Zugriff auf die Daten der Facebook-Nutzer hatten. Dass sie dafur grosszugig bezahlt worden sind, liegt auf der weit ausgestreckten Hand. Was sich an der ganzen Geschichte zeigt: Die Datenspur, die wir Tag fur Tag erzeugen, ist bares Geld wert.

Der goldene Fussabdruck

Das kann, sollte und - ja, da kommt der Zeigefinger: Muss man sich bewusst machen, wahrend man sein Profil updatet und seinen Freunden mitteilt, wo man ist und wie man sich dabei fuhlt. Das kann man auch immer mit seinen Freunden teilen - je mehr darauf aufmerksam werden, umso besser. Beim nachsten Aufstehen, beim nachsten Swipen kann man dann ja vielleicht nochmal daran denken, was das alles bedeutet, was man da tut. Denn unser digitaler Fussabdruck ist Gold wert.

Und dann kann man sich nach Alternativen umschauen - gibt es die? Kann man vielleicht sogar eine Blockchain-Losung ins Auge fassen? Wohin mit unserer zersplitterten digitalen Identitat?

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