Stefan Schulz im Interview: Kunstliche Intelligenz, Utility Token und SurroundTM aus dem Hause Bitfury.

BTC-ECHO: Du hast selbst bei Universal gearbeitet und kennst die Musikindustrie. Was glaubst du, wie wird die Musikindustrie auf eine dezentrale Open-Source-Musikplattform reagieren?

Schulz: Das wird ein langerer Prozess. Denn wenn du Transformation anschiebst, hast du nicht nur Fans. Ich weiss aber, dass die Industrie offen fur eine solche kollaborative und dezentrale Infrastruktur ist. Viele Marktteilnehmer warten sogar darauf, dass jemand dieses Thema auf Unternehmensebene anschiebt und somit Blockchain-Technologie in ihre internen Ablaufe integrierbar macht.

BTC-ECHO: Welche Mittelsmanner sollen hierbei konkret umgangen werden?

Schulz: Die Mission, Mittelsmanner zu umgehen, gibt es definitiv nicht. Es geht vielmehr darum, Ineffizienz, Ungerechtigkeit sowie mangelnde Geschwindigkeit und fehlende Innovationskraft anzugehen. So wollen wir aus jedem Stakeholder das Beste hervorbringen - und keine Teilnehmer aus der Kette herausdrangen. Abgesehen davon, dass wir gar nicht in dieser Position sind, ware es in unserem Vertical auch nicht sinnvoll. Denn die Musikindustrie ist zwar eine ziemlich fragmentierte, aber eben auch sehr kollaborative Industrie. Kaum ein Unternehmen in dieser Branche kann ein Produkt im Alleingang durchsteuern.

BTC-ECHO: Und wie werden die Kunstler auf eurer Musikplattform vergutet?

Schulz: Grundsatzlich gibt es das Problem, dass der durchschnittliche Asset Value im Copyright-Bereich sinkt. Auf der anderen Seite nimmt die Nutzung der Inhalte zu. Das liegt vor allem am fortschreitenden Erfolg von Streaming sowie der Erschliessung von Emerging Markets wie China und Indien.

Gleichzeitig ist die Musikindustrie aber eine Branche, die noch nicht mit der Plattform-Okonomie mithalten kann. Deshalb liegt die Marktmacht weitestgehend in den Handen der Plattform-Okonomie - und die nutzt die Moglichkeiten, die sie hat, naturlich aus. Deshalb ist das Wachstum hier zehnmal so gross, wie das der Musikindustrie insgesamt.

Das Problem ist aber vielschichtiger. Heute habe ich zum Beispiel nicht einmal die Moglichkeit, ein Copyright online rechtlich bindend zu registrieren. Allein die Registrierung kostet enorm viel Zeit und ist ineffizient. Ein zentraler Bestandteil unserer Infrastrukturlosung wird daher eine globale Plattform fur die Copyright-Registrierung sein.

Aus dieser Transformation ergeben sich drei wesentliche Vergutungsebenen: Erstens ermoglichen wir eine Einzelwertbetrachtung, die den Musikmarkt in ihrem Wert als Ganzes optimiert. Zweitens verbessern wir die Prozesseffizienz - wodurch die Marge fur jeden einzelnen Teilnehmer steigt. Und drittens wird jeder Teilnehmer der Musikwirtschaft an der Plattform beteiligt, das ist ein essentielles Asset der Blockchain-Welt.

BTC-ECHO: Wie sieht die Strategie aus, um schnell Kunstler auf die Plattform zu bekommen?

Schulz: Wir sind weiter, als wir zu Beginn angenommen haben, Bereitschaft und Begeisterung sind grosser als gedacht. Im Gegensatz zu Apple zum Start von iTunes setzen wir das System so auf, dass jeder, der teilnimmt, an entstehenden Transformationsgewinnen fur die Branche partizipiert. Nicht nur an denen fur sein eigenes Produkt. Das wird also ein kollaboratives Businessmodell, das sich uber eine Industrie-umfassende Blockchain-Plattform gewahrleisten lasst.

BTC-ECHO: Auch soll Kunstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. Nur ein Marketing-Buzzword oder steckt mehr dahinter?

Schulz: Bitfury investiert massiv in Kunstliche Intelligenz. Vor allem bei Datenstromen kann das hilfreich sein. Wenn Daten aus der Musikindustrie auf der Plattform vorliegen, mussen diese naturlich auch angereichert werden - und das lauft uber Kunstliche Intelligenz (KI).

Blockchain und KI sind in Verbindung die Killer-Kombination: Mit der Blockchain sorgst du fur eine saubere Datenintegritat und mittels KI kannst du noch den ,,Turbo" einer Datenanalyse daruberlegen.

BTC-ECHO: Wie unzahlige Projekte aus dem Krypto-Sektor gezeigt haben, ist es extrem schwierig, eine Token Economy aufzusetzen bzw. einen Token herauszugeben, der wirklich genutzt wird. Wie wollt ihr dieses Problem losen, um nicht wie die meisten anderen ERC20-Projekte zu scheitern?

Schulz: Zum einen muss man feststellen, dass wir uber ein Okosystem sprechen, das auf realen Wirtschaftsgutern aufbaut. Das heisst, alles was wir machen, hat auch einen realen Gegenwert; das sind branchenweit etwa 50 Millionen US-Dollar pro Tag. Zurzeit wird dieser Wert allerdings noch in Landeswahrungen wie dem US-Dollar oder dem Euro gemessen. Ich will aber nicht ausschliessen, dass es in naher Zukunft auch einen Token gibt. Dann wird dieser Token definitiv auch ein Security Token sein - optimiert auf das Asset Copyright. Wir denken da auf keinen Fall an Utility Token. Genau wie man Immobilien mithilfe von Token besitzen kann, kann man auch die Copyright-Besitzverhaltnisse eines Hits aus den 80ern tokenisieren. Das Copyright ist ein ganz normales Asset.

Zumal heutzutage sogenannte non-tangible Assets [immaterielle, nicht-physische Vermogenswerte, Anm. d. Red.] in Wertpapierportfolios der Fortune-500-Unternehmen eine viel grossere Rolle spielen. Daher gibt es eine grosse Notwendigkeit, dass wir Copyright Assets gleichsetzen mit klassischen, materiellen Gutern.

BTC-ECHO: Was sind die nachsten Schritte?

Schulz: Aktuell arbeiten wir an der ersten Live-Version (V0). Das wird aber wie bei allen anderen Plattformen eher eine Basis-Version. Parallel wollen wir einen Testmarkt aufbauen. Das heisst, als Testumgebung fassen wir ein komplettes Land ins Auge, in dem wir unsere Plattform mit der Branche im Live-Betrieb ausprobieren konnen.

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